Welt-HPV-Tag: HPV betrifft viele Menschen: Prävention stärken und Betroffene besser unterstützen

Humane Papillomviren (HPV) sind weit verbreitet: Rund 85 % aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit einem HPV-Typ. Während viele Infektionen folgenlos ausheilen, können bestimmte Hochrisiko-Typen Krebs verursachen – insbesondere Gebärmutterhalskrebs, aber auch Krebsarten im Mund-Rachen-Bereich, am Anus sowie an Vulva, Vagina und Penis.

Zum Welt-HPV-Tag macht das Universitätsklinikum Tübingen (UKT) gemeinsam mit der bundesweit tätigen Aufklärungsstelle ZERVITA auf die Bedeutung von Prävention aufmerksam. Expertinnen und Experten aus Virologie, Gynäkologie, Dermatologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zeigen, wie interdisziplinär das Thema am Standort verankert ist – von der Grundlagenforschung über die klinische Versorgung bis hin zur bundesweiten Aufklärungs- und politischen Arbeit.


Impfen schützt – früh erkennen rettet Leben

„Wir wissen heute sehr genau, dass bestimmte HPV-Typen Krebs verursachen können. Gleichzeitig haben wir mit der Impfung eine sehr wirksame Möglichkeit, diesen Krebsarten vorzubeugen“, erklärt der Virologe Prof. Thomas Iftner, der seit über 40 Jahren zu HPV forscht.

Wenn ausreichend viele Menschen geimpft sind, können HPV-bedingte Krebsfälle langfristig stark reduziert – perspektivisch sogar eliminiert – werden.

Prof. Melanie Henes, gynäkologische Leiterin der Dysplasie-Einheit am UKT, ergänzt: „Wir sehen hier regelmäßig Patientinnen mit bereits fortgeschrittenen Zellveränderungen oder Gebärmutterhalskrebs. Viele dieser Fälle wären durch Impfung und konsequente Früherkennung höchstwahrscheinlich vermeidbar gewesen.“

Wichtig bleibt: Die HPV-Impfung bietet einen sehr wirksamen Schutz, ersetzt jedoch nicht die Früherkennung. Auch geimpfte Frauen sollten weiterhin regelmäßig an den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs teilnehmen.


Oropharynxkrebs auf dem Vormarsch: Präventionslücke bei Männern

HPV betrifft nicht nur Frauen. Zunehmend rücken HPV-assoziierte Tumoren im Mund- und Rachenraum (Oropharynx) in den Fokus.

„Wir operieren immer häufiger HPV-bedingte Tumoren im Mund- und Rachenbereich – insbesondere bei Männern“, erklärt Dr. Paul-Stefan Mauz, HNO-Arzt und Leiter der onkologischen Studienzentrale. „Viele Betroffene haben keine klassischen Risikofaktoren wie starken Tabak- oder Alkoholkonsum.“

Auch epidemiologische Daten bestätigen diese Entwicklung. In den USA übersteigt die Zahl der HPV-bedingten Oropharynxkarzinome bereits die Zahl der Gebärmutterhalskrebsfälle. Ein ähnlicher Trend zeigt sich auch in England.

„Die HPV-Impfung ist daher keine reine Frauenthematik, sondern für alle Geschlechter wichtig“, betont Prof. Iftner. „Nur durch hohe Impfquoten in beiden Geschlechtern können wir die Viruszirkulation nachhaltig senken und langfristig alle HPV-bedingten Krebsarten zurückdrängen.“


HPV in der Hautklinik: Zwischen häufiger STI und steigender Krebsinzidenz

Auch in der dermatologischen Sprechstunde für sexuell übertragbare Infektionen spielen HPV-bedingte Erkrankungen eine wichtige Rolle.

Hier werden unter anderem HPV-bedingte Feigwarzen (Condylomata acuminata) sowie Vorstufen von Analkrebs diagnostiziert und behandelt. Feigwarzen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und erfordern häufig eine individuell angepasste Therapie.

Besonders besorgniserregend ist der Anstieg von Analkrebs, insbesondere in Hochrisikogruppen wie:

  • Menschen mit HIV-Infektion
  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)
  • Frauen mit vorherigen HPV-assoziierten Krebserkrankungen

Neue Leitlinien empfehlen deshalb ein systematisches Screening auf anale Dysplasien und Analkarzinom bei Menschen mit HIV.

„Die frühzeitige Erkennung und Behandlung hochgradiger analer Läsionen kann das Risiko für die Entwicklung eines Analkarzinoms deutlich reduzieren“, erklärt der Dermatologe Dr. Manuel Knoll.


Psychische Belastung ernst nehmen – Versorgung ganzheitlich denken

Neben medizinischen Aspekten rückt zunehmend auch die psychosoziale Belastung durch HPV-assoziierte Erkrankungen in den Fokus.

Studien zeigen, dass Betroffene – etwa Menschen mit Feigwarzen oder auffälligen Screeningbefunden – häufig eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität erleben. Besonders häufig berichten Betroffene über:

  • Ängste vor Krebs
  • depressive Symptome
  • Stigmatisierung
  • Belastungen in Partnerschaft und Sexualität

Gleichzeitig fehlen bislang strukturierte Unterstützungs- oder Peer-Support-Angebote speziell für HPV-Betroffene.

Studien zeigen jedoch, dass Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen helfen kann, soziale Isolation zu reduzieren, Informationen zugänglich zu machen und emotionale Entlastung zu schaffen.


ZERVITA erweitert Unterstützungsangebote – Betroffene zur Mitwirkung gesucht

Die am Universitätsklinikum Tübingen angesiedelte, bundesweit tätige Aufklärungsstelle ZERVITA bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen zur HPV-Prävention.

„Wir stellen kostenfreie Informationsmaterialien für Praxen, Schulen und Gesundheitsämter bereit, organisieren Vorträge und Veranstaltungen zur HPV-Prävention und setzen uns politisch dafür ein, die Impfquoten zu steigern“, erklärt Dr. Michèle Menkor, Geschäftsführerin von ZERVITA.
„Unser Ziel ist klar: Wir wollen HPV-bedingte Krebsfälle in Deutschland verhindern.“

Der Verein arbeitet aktuell auch daran, die Perspektive von Betroffenen stärker einzubeziehen. Geplant sind unter anderem:

  • Informationsmaterialien wie der Flyer „HPV positiv – was jetzt?“
  • Vernetzungsangebote für Betroffene
  • Austausch- und Unterstützungsstrukturen

Dafür sucht ZERVITA Betroffene, Interessierte und Unterstützende, die sich beim Aufbau neuer Angebote engagieren möchten.


Unser Appell zum Welt-HPV-Tag

  • Lassen Sie Kinder und Jugendliche rechtzeitig gegen HPV impfen.
  • Auch Erwachsene können – je nach individueller Situation – von einer Impfung profitieren.
  • Nehmen Sie empfohlene Früherkennungsuntersuchungen regelmäßig wahr.

HPV-bedingte Krebsarten sind vermeidbar.

Wir freuen uns über Ihre Spende

ZERVITA e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die Bevölkerung einheitlich und qualitativ hochwertig über Gebärmutterhalskrebs und die ursächlichen Humanen Papillomviren aufzuklären. Zu diesem Zweck stellen wir für die Allgemeinheit, Ärzte und Organisationen kostenlos Flyer zur Verfügung und pflegen zielgruppenorientierte Webseiten. Zur Deckung der Kosten freuen wir uns über eine Spende – jeder Beitrag hilft, damit wir weiterhin kostenlos informieren können.

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